Wasserqualität
Ein Naturbad weist gegenüber einem konventionellen Freibad eine wesentlich geringere Wasserqualität auf, mit Einschränkungen in Bezug auf Gesundheit, Sicherheit und Anzahl der Badegäste.
Die Badegäste in einem Naturbad sind vor den Gesundheitsrisiken zu warnen.
Die Argumente in Bezug auf die Wasserqualität sprechen klar für eine Badsanierung als konventionelles Freibad.
"Ein künstliches Naturbad kann keine (…) stabile Wasserqualität erreichen. Es weist prinzipiell eine höhere Keimbelastung und damit ein potenziell höheres Infektionsrisiko auf."
Dr. Andreas Schlageter, Badische Zeitung vom 20.09.2025
Unser Fazit
In einem konventionellen Freibad werden Krankheitserreger durch Chlorierung innerhalb von Sekunden unschädlich gemacht. Das Vorhandensein von Algen und Krankheitserregern in einem Naturbad stellt ein Gesundheitsrisiko dar, vor dem der Badbetreiber auf einem Hinweisschild zu warnen hat. Der Zeitversatz und die Abstände bei den mikrobiologischen Messungen erhöhen das Risiko und lassen nur verspätete Reaktionen zu.
Es wirft Fragen auf, wenn in den Unterlagen der Firma Gutmann in Bezug auf die Wasserqualität in einem Naturbad zu lesen ist: „Es handelt sich um einen geschlossenen Kreislauf mit Trinkwasserqualität.“ Das ist definitiv nicht der Fall!
In einem Naturbad besteht erhöhte Rutschgefahr, insbesondere bei Ein- und Ausstiegen. Die Gefährdung der Badegäste lässt sich nur mit einem entsprechenden Mehraufwand reduzieren.
Die in einem Naturbad verminderte Sichttiefe beeinträchtigt die Überwachung der Becken, insbesondere in Kombination mit dunkleren Folienfarbtönen, wie sie von der Firma Gutmann empfohlen werden.
Bei Erreichen der Kapazitätsgrenze (Nennbesucherzahl) wird in einem Naturbad der Zutritt gesperrt.
Im Detail
Im Kontext der Sanierung des Schopfheimer Schwimmbads werden die chemisch-technische Variante eines konventionellen Freibads und das biologisch-technische Verfahren in einem Naturbad manchmal so dargestellt, als ob sie auf verschiedenen Wegen zum selben Ergebnis führen würden. Das ist aber nicht der Fall!
Mikrobiologie
In konventionellen Freibädern muss die Wasserqualität den Vorgaben der DIN 19643 entsprechen. Dies gelingt durch die sehr zuverlässige und schnelle desinfizierende Wirkung von Chlor auf Krankheitserreger. Ein Naturbad kann keine vergleichbare und somit stabile Wasserqualität erreichen. Es weist prinzipiell eine Keimbelastung und damit ein potenzielles Infektionsrisiko auf, insbesondere für Menschen mit schwächerem Immunsystem, weshalb auch ein deutlich sichtbarer Warnhinweis anzubringen ist.
Ein weiterer wichtiger Unterschied in dieser Thematik ist der Zeitfaktor. In einem Naturbad muss die Keimbelastung in besonderer Weise überwacht werden. Die Messungen erfolgen in spezifisch dafür eingerichteten Laboren. Die Ergebnisse liegen erst nach ein paar Tagen vor. So kann es beispielsweise vorkommen, dass ein Bad ab Donnerstag geschlossen werden muss, weil die Probe vom Montag eine zu hohe Keimbelastung gezeigt hat. Bis zum Mittwoch waren aber noch Badegäste unter diesen Umständen im Wasser. Außerdem bleibt das Bad geschlossen, bis eine Folgeprobe innerhalb der Grenzwerte liegt. Im ersten Betriebsjahr sind wöchentliche, danach nur noch 14-tägige Messungen vorgesehen!
Der Mensch hat keine Sinnesorgane für Wasserqualität in Bezug auf Krankheitskeime. Man sollte vom sicherlich freundlich und naturnah gestalteten Ambiente in einem Naturbad keine Rückschlüsse auf die Wasserqualität ziehen. Diese ist nur zeitversetzt aus den Analyseergebnissen ersichtlich.
Algenwachstum
Veralgung ist in einem Naturbad unvermeidlich. Weiches Wasser fördert das Algenwachstum und führt zu einem labilen biologischen System. In einem Naturbad muss man bei zu weichem Wasser Salze zur Aufhärtung zuführen, was sowohl technische als auch finanzielle Konsequenzen hat. Veralgung führt zu einem höheren Reinigungsaufwand und verursacht damit verbundene Kosten sowie eventuell eingeschränkte Öffnungszeiten. In der Regel gibt es in Naturbädern kein Frühschwimmangebot wie bisher in Schopfheim. Außerdem reduzieren das Algenwachstum sowie die Aufwirbelung von Algen und Schwebstoffen die Sichttiefe, erhöhen die Rutschgefahr und beeinträchtigen insgesamt die Sicherheit der Badegäste.
Kapazität
Die Problematik der Wasserqualität führt bei einem Naturbad dazu, dass eine Kapazitätsgrenze (Nennbesucherzahl) festgelegt werden muss. Bei Erreichen dieser Grenze werden Zutrittssperren verhängt.
Badekeime
Badekeime können Erkrankungen hervorrufen.
In einem Naturbad sind Grenzwerte für Keime vorgegeben, die in einem konventionellen Freibad gar nicht vorkommen dürfen. Daher besteht in einem Naturbad ein relevantes Infektionsrisiko.

* KbE = Koloniebildende Einheiten ("Keime")
** macht ca. 10 % der Infektionen in Kliniken aus, befindet sich durch steigende Antibiotikaresistenz auf der „WHO priority list for antibiotic resistant bacteria“, welche Krankheitserreger listet, gegen die mit besonderem Aufwand nach neuen Behandlungsmethoden geforscht werden sollte
In einem Naturbad können außerdem Bakterien und Parasiten vorkommen

*** die produzierten Giftstoffe können für Tiere, z. B. Hunde, tödlich sein
